Aktuell Ausgestellt 

Wer aktuell die Galerie und Werkstatt von Anne Kampmann besucht, wird sicher schnell bemerken, dass die derzeitige Ausstellung nicht nur durch das scheinende Silber und Gold in's Auge springt, sondern gerade die verwendeten Materialien: Eierschalen.

Sie wurden dabei nicht nur als kleinliche Verzierung oder minimal in Details verwendet, im Gegenteil! Sie bilden den essenziellen Bestandteil der Werke und nehmen den Großteil der Bildfläche ein. Sie sind beim Betrachten herzlich dazu eingeladen ganz nah an die Werke heranzutreten um die einzelnen Stücke genau erkennen und verinnerlichen zu können. Dabei erstaunt man nicht gerade selten, wenn man merkt wie viele kleine, einzelne Eierschalen-Stücke verwendet und korrekt angelegt werden mussten um das gewünschte Motiv zu erreichen. 

Die Frage die sich jedoch stellt, ist: wieso gerade Eierschalen?

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Presse

Aachener Zeitung vom 25.03.2022

Archaische Botschaften und das Gewicht der WorteKunstGeschichte(n) von Sabine Rother.

 

Ihre Bilder entwickeln geheimnisvolles Leben. Sie schwimmen, die Formen bewegen sich wie wehende Stoffe, fein eingearbeitet Collage – Elemente verbinden sich mit dem Raum: Anne Kempmann hatte einen Traum – die eigenen Galerie mit Werkstatt. Am Büchel 7-9 in Aachen hat die Künstlerin, geboren am Niederrhein, dass gesucht gefunden. 97 m² und kein Netz das Telefon wird sie und ihre Besuche nicht stören. Die 64-jährige – von Hause aus Diplom Sozialpädagogen – empfindet und lebt künstlerische Schaffen nicht nur aus eigenem Impuls, sondern auch im Hinblick auf die heilende Wirkung von kreative Aktivität. So arbeitet sie mit traumatisierten behinderten Menschen und hat Malerei und Musik dabei als helfende Elemente erfahren, die Blockaden auflösen können. In ihren Arbeiten setzt sie die Gouache- Technik ein. Nicht nur, weil damit bereits das handwerkliche verbinden von Eigelb, Eiweiß und Schalen, die spezielle Alchemie der Technik, zur Meditation wird, sondern auch im übergeordneten Sinne: „das Ei ist Leben, ein Wunder, dass ich nicht genug bestaunen kann, dass du mich immer neu bewegt“, sagt sie. Hunderte winziger Eierschalen später bilden in ihren Werken glänzende Wolken, Blüten, Gestalten. Das kann monochrom auf  handgeschöpftem Papier still und kostbar wirken. Dann wieder lässt sie sich von der Kraft der Farben wegen, sinnliches Rot, Gold, durchsetzt von Schwarz. Sie nutzt dabei unterschiedliche Pigmente, möchte Chemie von ihrer Kunst fernhalten. Dabei sind ihre Attraktionen zugleich archaische Botschaften. „Die Seele denkt nie ohne ein inneres Bild“, sagt sie schlecht. In ihrer Galerie zeigt sie aktuell eigene Werke, darunter fein gearbeitete Skulpturen.